Über die Kreativbranche und warum Fairness kein Geschlecht hat

31.10.2018

Die Frauenzeitschrift Brigitte hat Deutschlands beste Arbeitgeber für Frauen ausgezeichnet. Auch EXPLAIN hat es auf die Liste geschafft und wurde mit der Note »sehr gut« ausgezeichnet. Mara Gerstner, Head of Concept bei EXPLAIN, erzählt von Vorurteilen, imaginären und echten Hürden auf dem Weg zur weiblichen Führungskraft:

Die Kreativbranche ist ein hartes Pflaster.

Jeder kennt die Geschichten von Nachtschichten und Wochenendarbeit. Von schlechter Bezahlung und geringen Aufstiegschancen. Umso cooler die Agentur, umso spannender die Projekte, desto weniger Freizeit. Und wer irgendwann einmal eine Familie, ein faires Gehalt oder bezahlte Überstunden möchte, der muss in die Grafik-Abteilung eines großen Unternehmens wechseln. So oder so ähnlich schallt es von allen Seiten. Als Berufseinsteiger macht man sich daher keine großen Hoffnungen auf eine Karriere. Selbstaufgabe oder Sicherheit – man möge sich doch bitte entscheiden.

Eine Karriere bei einer renommierten Agentur in Berlinhamburgmünchen kam für mich nicht infrage. 60-80 Stunden in der Woche für ein Gehalt arbeiten, dass man auch in Teilzeit in der Gastronomie verdient? Nein, danke. Also entschied ich mich für eine kleine Agentur in meiner Heimat Karlsruhe – nichts allzu Anspruchsvolles. Happy End mit Festanstellung? Leider nein. Mein erster Arbeitsplatz lehrte mich, dass auch kleine Agenturen ihre Schattenseiten haben. Es gab zwar nicht übermäßig viel zu tun – eher Langeweile als Hektik – aber die Regeln waren starr und selten zugunsten der Mitarbeiter ausgelegt. Es gab keinerlei Struktur, Transparenz oder Flexibilität. Trotzdem dauerte es über zwei Jahre, bis ich endlich den Absprung schaffte.

Karriere in der Kreativbranche?!

Ich hatte schon mehrmals von der besonderen Unternehmenskultur bei EXPLAIN gehört und war hin- und hergerissen. PowerPoint und Präsentationen als Austragungsort meiner grafischen Kenntnisse?!? Die Entscheidung wurde mir abgenommen. Eine Freundin empfahl mich kurzerhand und brachte die Dinge ins Rollen. Heute bin ich seit fast vier Jahren bei EXPLAIN. Ich habe verschiedenste Dinge ausprobiert – Design, Projektmanagement, Trainings und Konzeption – und meinen Traumjob gefunden. Und womit ich niemals gerechnet hätte: Ich habe Karriere gemacht (Und es fällt mir immer noch schwer, das Wort »Karriere« nicht in Anführungsstriche zu setzen). Fast ohne mein Zutun haben sich die Dinge gefügt. Regelmäßige Mitarbeitergespräche, Weiterbildungsangebote und ganz viel Vertrauen haben möglich gemacht, was ich für absurd und unerreichbar hielt. Heute leite ich als Head of Concept die Konzeptionsabteilung und betreue selbst Mitarbeiter bei ihrem Entwicklungsprozess. Und als Führungskraft kann ich aktiv dafür sorgen, dass unsere Kultur etwas ganz Besonderes bleibt. Die Führungsetage von EXPLAIN ist wild durchgemischt. Es gibt Mütter und Väter, manche sind gerade in Elternzeit, andere arbeiten Teil- oder Vollzeit. Ich selbst habe keine Kinder. Aber ich weiß, dass es niemals ein Problem darstellen wird, wenn es so weit ist. Ja, EXPLAIN ist ein guter Arbeitgeber für Frauen.

Beste Arbeitgeber für Fairness!

Aber vielleicht geht es gar nicht darum, Frauen zu fördern. Vielmehr sollte man beginnen, gute Konditionen für alle Mitarbeiter zu schaffen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Alter. Das ist das Schöne bei EXPLAIN: Es gibt flexible Arbeitszeiten, Karrieremöglichkeiten und alles, was man sich so wünscht. Aber eben nicht speziell für Frauen, sondern für alle im Team. Wenn Frauen endlich das Recht haben, Karriere zu machen, dann sollten Männer auch das Recht haben, die Familie in den Alltag zu integrieren. Dann darf jeder Elternzeit machen. Dann kann auch der Vater die Teilzeitstelle belegen. Dann hat der deutsche Pass die gleichen Aufstiegschancen, wie der albanische. Dann hat man mit einem Berufsschulabschluss die gleichen Chancen, wie mit Studienabschluss. Natürlich ist es schön, so eine Auszeichnung zu erhalten. Und doch ist der Begriff »Beste Arbeitgeber für Frauen« etwas eng gefasst. »Beste Arbeitgeber für Fairness« wäre die treffendere Bezeichnung. Und eigentlich sollte das keine Auszeichnung sein, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Auszeichnung der Zeitschrift Brigitte

EXPLAIN Auszeichnung der Zeitschrift Brigitte für die besten Unternehmen für Frauen 2018