Mit Werten in die Führung gehen

06.04.2020

In einer bewegten Zeit wie der unsrigen, bedarf es einer klaren und überlegten Strategie, damit ein Unternehmen auf Kurs bleiben kann. Märkte, Kundenverhalten, Vertriebswege verändern sich ebenso rasant, wie die Akquise und das Halten von passendem Personal zunehmend aufwendiger werden. Gleichzeitig ermöglichen uns der technische Fortschritt und veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen immer flexibler zu agieren. Die gleichen Dinge, die uns ungeahnte Möglichkeiten verschaffen, sind aber auch die Dinge, die unser Leben und unsere Arbeit immer unberechenbarer werden lassen. Deshalb brauchen wir einen klaren Blick für das, was unserem Arbeiten einen klaren Rahmen gibt und unsere Entscheidungen nicht einfach nur zufällig und situationsorientiert erscheinen lässt.

Tatsächlich bedarf es in Zeiten der Unsicherheit zunächst der Einsicht, dass es ist, wie es ist. Wenn wir nicht akzeptieren, dass alte Konzepte und alte Strategien nicht mehr funktionieren, dann sind wir nicht bereit für die Zukunft. Die postmoderne Welt gibt uns keine Sicherheiten mehr und verlangt von uns vor allem größtmögliche Agilität und Flexibilität. Vielleicht mag uns trösten, dass es zu allen Zeiten umwälzende, gesellschaftliche Veränderungen gab, sei es die Entdeckung der neuen Welt, die Entdeckung des Schießpulvers oder des Buchdrucks. Der Unterschied ist jedoch, dass die Veränderungsgeschwindigkeit exponentiell zugenommen hat. Wie können wir nun also in dieser Zeit der Unsicherheit und der Vieldeutigkeit unseren Kurs setzen und halten? Was sind die Elemente einer Strategie, die uns durch Zeiten der Veränderung tragen kann?

Vision – Klarer Kurs und Kompass für eine eindeutige Richtung

Um mit seinem Unternehmen auf Kurs bleiben zu können, müssen wir erst den Kurs kennen. Wohin wollen wir? Was ist das Ziel unserer Reise? Hierzu benötigen wir eine klare Vision, eine klare Vorstellung, wohin wir wollen. Um eine Vision formulieren zu können, bedarf es zunächst der Kenntnis, woher wir kommen und was wir sozusagen in unserer Unternehmens-DNS mit uns tragen. Welches Ziel zu uns passt, klärt sich auch dadurch, dass wir uns fragen, worauf wir aufbauen. Das Fundament wird am Ende bestimmen, wie kraftvoll wir weitergehen können. Für die Entwicklung einer Vision wird sowohl persönlich als auch in Organisationen viel zu wenig Zeit und Energie aufgewendet. Vielen ist die Arbeit an einer Vision zu schwammig oder philosophisch. Aber gerade sie kann uns die notwendige Perspektive und Klarheit geben, die wir brauchen, um weitergehen zu können. Sie ist der Fixstern am Horizont, der es ermöglicht, sich auch in Stürmen immer wieder auf das Ziel auszurichten, klug durch Untiefen zu navigieren und dadurch nicht völlig die Orientierung zu verlieren. Es sind und waren die Visionäre, die unglaubliche Produkte entwickelt und besondere Unternehmenswerte geschaffen haben.

Werte – Entscheidungsgrundlage und Identifikation

Großartige Unternehmer haben eine klare Vorstellung davon, wie sie ein Unternehmen führen wollen. Sie legen ihre Unternehmenswerte fest, um auf diese Weise immer wieder ein unbestechliches Werkzeug zu haben, ob man eine Entscheidung trifft oder nicht. Unsere Werte entscheiden vorallem auch WIE wir vorgehen, was wir sehen wollen und was nicht. Diese Werte werden die Kultur und die Atmosphäre grundlegend prägen. Aber nur, wenn sie auch gelebt und geschützt werden. Denn es geht darum, wie wir mit unseren Mitarbeitern umgehen, wie wir Autorität wahrnehmen, wie wir in Konflikten oder Druck agieren. Denn genau da entscheidet es sich, was für ein Unternehmen wir sind. Klare, gelebte Werte machen aus einem guten Unternehmen ein großartiges Unternehmen.

Leadership – Entwicklung und Befähigung

Der entscheidende Faktor aber sind die Führungskräfte, damit Vision und Werte ihre kraftvolle Wirkung im Unternehmen entwickeln können und nicht nur schöne Schriftstücke ohne Belang sind. Leadership entscheidet immer über das Wohl und Wehe eines Unternehmens. Die Verantwortlichen müssen kluge Entscheidungen treffen, sind herausgefordert, ihre Mitarbeiter so zu führen, dass sowohl die Ziele des Unternehmens als auch die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Fokus bleiben. Darüber hinaus muss es für jeden Verantwortlichen eine Selbstverständlichkeit sein, dass er in seinem Bereich die Augen offen hält, um Mitarbeiter mit Potenzial zu entdecken. Deshalb ist es über – möglicherweise vorhandene – Nachwuchsförderungsprogramme hinaus notwendig, dass der Vorgesetzte sich aktiv und zielgerichtet in die Entwicklung des Mitarbeiters einbringt. Gerade der Austausch, das Sparring, mit den erfahrenen Praktikern liefert die nötigen Zutaten, um neue Verantwortliche für die Praxis zu entwickeln. Die meisten Flüchtigkeitsfehler von Führungskräften passieren bei der Auswahl, dem Placement und vor allem bei der Begleitung der zukünftigen Nachwuchskräfte. Neben fachlicher und sozialer Kompetenz ist besonders darauf zu achten, dass Vision und Werte verstanden, verinnerlicht und gelebt werden. Unternehmen, die dafür Raum schaffen, dass die Mitarbeiter gestärkt und gefördert werden, erleben nicht nur eine Stärkung des Commitments des Mitarbeiters, sondern stärken auch ihren Ruf als ausgezeichnete Arbeitgeber.

Kommunikationskompetenz

Der Dreh- und Angelpunkt von guter Leidenschaft ist die Kommunikation. Nicht jede Führungskraft ist ein Kommunikationstalent. Deshalb ist es notwendig, genau an dieser Stelle durch Training und Coaching anzusetzen. Nicht nur, dass gelungene Kommunikation (dabei ist sowohl die schriftliche, die mündliche, wie die nonverbale Kommunikation gemeint) dabei hilft, Missverständnisse und unnötige Konflikte zu vermeiden, sie kann darüber hinaus auch zum Weg unseres gezielten Handelns werden. Es geht dann nicht mehr nur um inhaltlich umfassende und klare Kommunikation, sondern auch darum, dass die Mitarbeiter abgeholt und begeistert werden. So kann aus einfachen Arbeitsaufträgen eine Mission werden und aus simplen Projekten die nachhaltige Umsetzung der gemeinsamen Vision. Wer es schafft, dem Mitarbeiter den Sinn seiner Aufgabe und die Bedeutung im Gesamtzusammenhang des Unternehmens zu erklären, der ist in der Lage, ihm einen Blick für die Sinnhaftigkeit seines Tuns zu geben. Und das wiederum wird zu mehr Verantwortlichkeit führen. Schließlich lässt sich festhalten, dass wir wirkliche Agilität nur dann aufbauen können, wenn wir klare Grundsätze formuliert und implementiert haben. Nur wenn jeder an Bord verstanden hat, was seine Aufgabe ist und warum er tun soll, was er tut, wird sichergestellt, dass Abläufe auch dann funktionieren, wenn keine Zeit ist, sie detailliert zu erklären.

Autor: Jochen Geiselhart – Explain Unternehmenscoach