Content Matters!

27.04.2020

Vor über 30 Jahren tüftelten Entwickler der Firma Forethought an einem Programm namens Presenter, das den Overheadprojektor für immer ersetzen sollte. Im April 1987 ging die erste Version an den Markt. Keine drei Monate später wurde Microsoft aufmerksam und übernahm kurzerhand die Firma Forethought. Ein Jahr später gab es bereits die Version 2.0 und erstmals wurden auch Farben unterstützt. Heute ist das Programm weltweit bekannt und hat die Kommunikation in Unternehmen grundlegend revolutioniert. Das Programm von dem ich spreche, trägt den berühmt-berüchtigten Namen POWERPOINT.

Auch wenn es mittlerweile die verschiedensten Präsentationsprogramme gibt, bleibt das Prinzip immer gleich. Der mündliche Vortrag eines Redners wird durch visuelle Elemente ergänzt. Bilder, Grafiken, Diagramme – auf Knopfdruck werden beliebige Elemente ein- oder ausgeblendet. Und auch genau dieses Prinzip ist auch das Problem.

Der Erstellungsprozess beginnt und endet mit den Folien., während die Rede, die eigentliche Basis eines Vortrags bilden sollte, immer weiter in den Hintergrund rückt. Visuell verliert man sich zunehmend in Detailarbeit und aufwendigen Gestaltungen. Inhaltlich verliert man zunehmend an Bedeutung oder verharrt auf dem Wissensstand der vergangenen Jahrzehnte. Erst eine Agenda, dann alle 20 Standorte, die Unternehmensgeschichte und im Anschluss eine umfangreiche Auflistung sämtlicher Leistungen und Produkte. Diese Präsentationen werden in Zukunft nicht mehr funktionieren.

Gerade in der Unternehmenskommunikation entscheidet der Inhalt einer Präsentation über Erfolg und Misserfolg. Im Extremfall sogar über die Existenz eines Unternehmens. Und deshalb muss der Inhalt der Präsentation von Bedeutung sein. Denn ohne die richtige Botschaft, ohne Argumente, hat eine Präsentation keinerlei Schlagkraft. Es wird Zeit, sich von festgefahrenen Klischees zu lösen und eine NEUE SCHULE DES PRÄSENTIERENS zu etablieren.

Mit Relevanz ans Ziel

Wo finden wir also die richtige Botschaft oder wirkungsvolle Argumente? Dafür betrachten wir vor allem die Zielgruppe der Präsentation. Denn sie entscheidet darüber, ob Inhalte relevant sind. Welche emotionalen Bedürfnisse oder rationalen Aufforderungen spielen eine Rolle? Wovor hat die Zielgruppe Angst? Oder gibt es womöglich Vorurteile zu berücksichtigen? Es lohnt sich auch, einen Blick auf aktuelle Trends, Entwicklungen und Studien zu werfen. Indem wir Themen aus der Welt unserer Zielgruppe aufgreifen, erhöhen wir die Relevanz enorm. Stellen wir uns einfach vor, die Präsentation sei ein Geschenk, das wir überreichen möchten. Unser Gegenüber entscheidet, ob das Geschenk angenommen wird oder ob es gedanklich im Müll landet. Hand aufs Herz – möchten Sie derjenige sein, der an Weihnachten Socken verschenkt? Verbannen Sie Informationen, die nur der Selbstdarstellung dienen, und prüfen Sie, was Ihre Zielgruppe wirklich interessiert.

Begreifbar Kommunizieren

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben es geschafft, dass Ihr Geschenk als relevant wahrgenommen wurde. Nun muss es nur noch verstanden werden. Gar keine leichte Übung. Sprache und deren Verwendung ist geprägt von Stolz und Vorurteil. Der deutsche Wortschatz umfasst etwa 5,3 Millionen Worte. Der aktive Wortschatz eines Menschen nur etwa 14.000 Worte. Trotzdem verbietet es uns der Stolz nachzufragen, wenn wir etwas nicht verstehen. Wer möchte schon ungebildet wirken? Und auf der anderen Seite stehen Präsentatoren, die sich so fachlich korrekt und eloquent wie möglich ausdrücken. Wir könnten sonst ungebildet wirken – so das Vorurteil.

Nicht selten befinden sich Satzungetüme mit 70 oder mehr Worten in den Sprechertexten deutscher Präsentationen. Aber niemand hat Lust, sich durch einen Schachtelsatz mit kryptischen Fachbegriffen zu kämpfen. Niemand möchte im Rahmen einer Vertriebspräsentation ungefragt eine Fremdwortschulung erhalten. Nur wenn das Publikum Ihnen folgen kann, wird es Ihnen folgen. Sie selbst entscheiden, ob Ihre Botschaft verstanden wird. Achten Sie also auf kurze Sätze, klare Botschaften und eine aktive Wortwahl.

Nur Prägnant ist Einprägsam

Wie viele Präsentationen haben wir in unserem Leben bereits erlebt? Und an wie viele davon können wir uns erinnern? Oft sind es schlechte Präsentationen. die einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Abenteuerliche Fluchtgedanken, kontinuierliches Fremdschämen oder herausplatzende Lacher … All diese traumatischen Ereignisse haben eines gemeinsam – sie erzeugen Emotionen, die wir sonst nur bei großartigen Präsentationen erleben. Das solide Mittelmaß der Präsentationen bleibt unauffällig und gerät mit Verlassen des Raumes in Vergessenheit.

Mit einer Präsentation haben wir nur einen einzigen Versuch, im Gedächtnis zu bleiben. Deshalb müssen wir uns vom Standard abheben. Wissen Sie, wie Ihre Mitbewerber präsentieren? Dann machen Sie es bewusst anders und spielen Sie mit den Erwartungen Ihrer Zuschauer. Starten Sie beispielsweise mit einer unerwarteten These in einer Präsentation. Oder benutzen Sie eine außergewöhnliche Requisite oder Metapher. Langfristig geht es darum, auch in Präsentationen eine ganz eigene, unverkennbare Art der Unternehmenskommunikation zu prägen. Und dafür sollten Sie Storytelling als festen Bestandteil sehen. Greifen Sie die Träume Ihrer Kunden auf, erzählen Sie von Ihrer persönlichen Mission, malen Sie mit Worten eine Vision oder schildern Sie Ihre spannendsten Projekte. Das menschliche Gehirn liebt Geschichten und räumt dafür gerne etwas Speicherplatz frei.

Die neue Schule des Präsentierens

Seit dreißig Jahren erstellt die Menschheit PowerPoint-Folien. In dieser Zeit gab es zahlreiche Updates der Software. Trotzdem blieb PowerPoint meist ein Medium für Mittelmaß. Nun müssen die Präsentationsgewohnheiten ein Update erfahren. Die neue Schule des Präsentierens ist RELEVANT, BEGREIFBAR und EINPRÄGSAM. Sie orientiert sich nicht am Mittelmaß deutscher Meetingräume, sondern strebt immer nach Exzellenz. Denn schließlich geht es darum, ob Sie Ihr Ziel erreichen.

Author: Mara Gerstner, Head of Concept bei Explain