START-UP PITCHES IM ZEITALTER DER INFORMATIONSFLUT

14.02.2019

8 SEKUNDEN. Das ist alles, was von unserer Aufmerksamkeitsspanne geblieben ist. Seit dem Aufkommen von Smartphone und Co. kennt sie nur eine Richtung. Nämlich nach unten. Zuletzt haben wir Menschen selbst die Aufmerksamkeitsspanne des Goldfisches unterboten: Ein zweifelhafter Rekord. Willkommen im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie. Jeder will etwas von der knappen Ressource, die unsere Aufmerksamkeit geworden ist. Die Krux: Gleichzeitig werden wir mit immer mehr Informationen überschüttet.
Eine besonders geplagte Spezies unter den Informationsrezipienten ist ohne Zweifel die Gattung des Start-up-Investors, wahlweise auch des Jurors in unterschiedlichen Gründerwettbewerben.

INVESTOREN HABEN ES NICHT EINFACH

Viele von ihnen bewegen sich in komplexen Themenlandschaften voller erklärungswürdiger und häufig schwer greifbarer Produkte und Dienstleistungen. Eine interessante, aber auch anstrengende Aufgabe: Denn ihre Aufnahmefähigkeit und Entscheidungskraft wird immer und immer wieder auf die Probe gestellt. Das bedeutet: viele Investment-Pitches hören in sehr kurzen Abständen.

Start-up beim Pitch mit möglichem Investor

Start-up mit Investor beim CyberForum Venture Day

WO START-UPS UND INVESTOREN ZUEINANDER FINDEN

Ein Beispiel par excellence ist der VENTURE DAY des Karlsruher IT- und Hightech-Netzwerks CyberForum. Dort treffen jedes Jahr etwa 15 spannende kapitalsuchende Start-up-Unternehmen auf Venture Capitalists und Business Angels. Gründer haben bei diesem Event die Möglichkeit, in einem knackigen 7-Minuten-Speeddating-Format potenzielle Geldgeber zu einem zweiten Date zu überzeugen. Die sieben Minuten verstehen sich mit Fragen und Antworten. Ohne Vorbereitung heißt es dann mal schnell: Wenn am Ende der Zeit noch so viel Pitch übrig ist …

Ein anderes Format ist der beliebte GRÜNDERWETTBEWERB CYBERCHAMPIONS. Das CyberForum prämiert darin jährlich Start-ups und Unternehmen aus der IT- und Hightech-Branche. Vom Jungunternehmer in der Vorgründungsphase und Start-ups mit maximal zwei Jahren auf dem Buckel bis zu gestandenen Unternehmen mit einer außerordentlichen Entwicklung. Auch hier buhlen acht Finalisten im 10-Minuten-Takt um die Gunst der Jury. Ob Analysesoftware für die Weinbaubranche oder Gestensteuerung mittels Wearables – schnell müssen Geschäftsidee, Team und Potenzial erfasst werden.

Pitch Workshop mit Michael Bieniek von EXPLAIN für Start-ups

EXPLAIN Pitch Workshop mit Michael Bieniek für Start-ups

Damit die Botschaft optimal bei Investoren und Juroren ankommt und Start-ups wirklich zeigen können, was sie draufhaben, unterstützt EXPLAIN diese auf ihrem Weg zum Pitcherfolg. Jedes Jahr kommen Start-ups zu einem Workshop bei EXPLAIN, um ihren Pitch unter die Lupe nehmen zu lassen. Sie bekommen Tricks und Kniffe, wie sie ihre Pitchpräsentation inhaltlich noch verbessern können und worauf es beim Präsentationsdesign
ankommt. Das Wichtigste ist jedoch der Probepitch. Dabei wird schnell klar, wie anspruchsvoll Investorenpitches sowie Pitches vor einer Jury sein können. Gerade bei erklärungswürdigen Produkten erliegen die Präsentatoren leicht dem »CURSE OF KNOWLEDGE« und überfordern selbst Investoren aus der Branche mit zu detailliertem Fachwissen. Hinzu kommt die Herausforderung, dass enthusiastische Gründer bisweilen den Unterschied zwischen Sales Pitch und Investorenpitch übersehen.
Denn nur das Produkt und den Kundennutzen detailliert zu erklären, ist genau der falsche Weg, um einen Investorenpitch für sich zu entscheiden. Die richtige Herangehensweise liegt ganz klar in der Herausstellung des Marktpotenzials und der Betonung der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Schließlich will der Investor auch wissen, wie er sein Geld vermehren kann.

Pitch Workshop mit Kailey Peng von EXPLAIN für Start-ups

EXPLAIN Pitch Workshop mit Kailey Peng für Start-ups

Zum Glück ist nach dem Pitchworkshop die Präsentation oft eine ganz andere. Die Gründer stürzen sich mit dem gesammelten Feedback geradezu in die Überarbeitung. Das Ergebnis sind kompakte Pitch-Decks mit gut sortiertem Back-up-Bereich, viel konkretere Beweise statt abstrakter technischer Begriffe und selbstbewusste Unternehmen, die interessanter und gehirngerechter präsentieren.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus unserem Präsentationsmagazin »F5 – The Magazine Of Presentations«. Dieses im deutschsprachigen Raum einzigartige Magazin können Sie auf Amazon erwerben.